szmmctag

  • Hund und Mensch

    Ich muss es aufrichtig gestehen, schrieb Arthur Schopenhauer in seinen letzten Manuskripten, der Anblick   j e d e s  Tieres  erfreut mich unmittelbar, und mir geht dabei das Herz auf; am meisten der der Hunde ...

    Mit seiner Tierliebe, vor allem aber mit seiner großen Zuneigung zu Hunden, stand Schopenhauer einsam in der Reihe der bedeutenden Denker seiner Zeit, ja wahrscheinlich ist er in dieser Hinsicht auch heute noch unter den weltberühmten Philosophen einmalig. 

    Kein Zweifel, Schopenhauer liebte Hunde, insbesondere dann, wenn er an die hässlichen Eigenschaften mancher Menschen dachte: Woran sollte man, fragte er, sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann? Dieses Menschenbild wird sicher manche Leser schockieren. Andererseits dürfte Schopenhauer auch vielen aus dem Herzen gesprochen haben, und zwar vor allem denen, die mit anderen Menschen schlechte Erfahrungen machen mussten und nur noch einen einzigen Freund haben: ihren Hund.

    Auf meinen Spaziergängen treffe ich oft Hunde, die mich - besonders wenn sie mich schon kennen - mit ihrem, wie es Schopenhauer beschrieb, "so eindrucksvollen, wohlwollenden grundehrlichen Wedeln" begrüßen. Allerdings gehe ich dabei nicht ganz so weit wie Schopenhauer, der "auf das Schwanzwedeln eines ehrlichen Hundes" mehr gab, "als auf hundert Demonstrationen und Gebärden" seiner Mitmenschen.

    Arthur Schopenhauer war jedoch weit mehr als nur normaler Hundefreund, sondern er war wohl der erste westliche Philosoph, der Hunde und auch andere Tiere zum Thema philosophischer Betrachtungen machte. Seine damit verbundenen, sehr tiefen Erkenntnisse stehen im völligen Gegensatz etwa zur Bibel, aber auch zur Meinung des ansonsten von ihm hochverehrten Philosophen Kant, für die Tiere kaum mehr als seelenlose Gebrauchsgegenstände waren. Schopenhauer hingegen sah in den Tieren etwas ganz anderes, nämlich das hinter allen äußeren Erscheinungsformen liegende Metaphysische. Voller Verwunderung, ja Ergriffenheit rief er aus: Welch ein unergründliches Mysterium liegt doch in jedem Tiere!

    So war für Schopenhauer auch der Hund ein Mysterium, denn aus seinen Augen leuchtet das unzerstörbare Prinzip in ihm, der  Archäus, also die Urkraft in allem Lebendigen. Es ist bezeichnend, dass Schopenhauer sich so in seinem Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" äußerte, und zwar in einem der  wichtigsten Kapitel: "Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesen an sich".

    Arthur Schopenhauer und seine Hunde, die Hundebilder in seinem Zimmer, die Pudel, die ihn auf seinen einsamen Spaziergängen begleiteten - alles das sind Themen, bei denen man auch heute noch glaubt, sich über Schopenhauer lustig machen zu dürfen. Mir scheint das weniger lustig als vielmehr Ausdruck dafür zu sein, wie wenig doch manche Leute von diesem Philosophen begriffen haben. Schon der Name Atma, den Schopenhauer  seinen Hunden gab, war den meisten seiner Zeitgenossen völlig unverständlich. Gerade diese Bezeichnung weist auf den Kern der Philosophie Schopenhauers und der von ihm überaus hoch geschätzten altindischen   > Upanishaden hin: Atma, genauer Atman, bedeutet in etwa Einzelseele. Dazu fassen die Upanishaden ihre tiefste Erkenntnis in die Worte:  > Tat twam asi - Das bist Du - Die Einzelseele ( Atman ) ist identisch mit der Weltseele ( Brahman )! Das gilt für den Menschen, für den Hund, ja für jedes Lebewesen. Vielleicht, meiner Meinung nach sogar sicherlich, ist das,  was Schopenhauer als "unzerstörbares Prinzip", als "Archäus" (Urkraft), aus den Augen eines Hundes leuchten sah, nicht verschieden von dem, was die Upanishaden als Brahman, Weltseele, bezeichnen.  

    Ich muss zugeben, mir selbst waren solche Aussagen früher ziemlich unverständlich. Ich fand sie schon auf Grund meiner naturwissenschaftlichen Orientierung eher als weltfremde Spinnerei. Doch eines Tages blickte mir ein Hauskaninchen, das ich zu betreuen hatte, in die Augen. Es war wie eine Offenbarung und damit der entscheidende Schritt zu einem völlig neuen Verständnis des im Grunde esoterischen Kerns der Upanishaden und der Philosophie Schopenhauers!  So hatte ich von einem Tier mehr gelernt als es aus bloßem Bücherstudium möglich gewesen wäre. Seitdem bin ich - wie Arthur Schopenhauer - von der Wesensgleichheit alles Lebendigen überzeugt. Deshalb sehe ich auch das Verhältnis von Mensch und Hund nicht unter dem Gesichtspunkt von Über- und Unterordnung, wie sie etwa in der Bezeichnung " Herrchen" für die "Besitzer" von Hunden zum Ausdruck kommt. Einen Hund zu "besitzen" ist kein Naturrecht des Menschen, sondern - dessen sind sich leider viele nicht bewusst - die Übernahme einer Sorgepflicht!
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

    Der Arthur Schopenhauer Studienkreis stellt sich vor > hier

    Tierethik und Philosophie : Arthur Schopenhauer > hier

  • Philosophieren - warum?

    Es kann viele Gründe zum Philosophieren geben: Oft ist es die Schule oder die Universität, wo man sich mit Philosophie beschäftigt. Manche philosophieren aus beruflichen Gründen, also um damit ihr Brot zu verdienen. Arthur Schopenhauer hat sich über solche " Philosophen " etwas geringschätzig geäußert, denn diese würden nicht  für die Philosophie, sondern  von der Philosophie leben.

    Jedoch was heißt Philosophieren ?  Das "Philosophische Wörterbuch” übersetzt das griechische Wort Philosophie mit Liebe zur Wahrheit, wobei das Wort "philosophos” zuerst vom vorsokratischen Philosophen Heraklit im Sinne von "ein nach der Natur der Dinge Forschender” verwendet worden sei. Demnach verstehe ich unter Philosophieren das Suchen nach der Wahrheit, nach der wahren Natur unseres Daseins. Hierzu gehört vor allem auch die Frage nach dem Ende des Daseins , dem Tod. Gerade diese Frage hat seit jeher die Menschen, und zwar seit sie wissen, dass sie sterblich sind, zutiefst bewegt.

    So stand die Tatsache, dass unser Dasein untrennbar mit Leid und Tod verbunden ist, am Anfang des Philosophierens. Arthur Schopenhauer:

    " ... ohne Zweifel ist es das Wissen um den Tod, und neben diesem die Betrachtung des Leidens und der Not des Lebens, was den stärksten Anstoß zum philosophischen Besinnen und zu metaphysischen Auslegungen der Welt gibt. Wenn unser Leben endlos und schmerzlos wäre, würde es vielleicht Keinem einfallen zu fragen, warum die Welt gerade diese Beschaffenheit habe; sondern eben auch sich Alles von Selbst verstehen."
    Arthur Schopenhauer, Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Diogenes: Zürich 1977, Band III, S. 187 f.

    In der Frühzeit der Menschheit war es aber nicht die Philosophie, sondern die Religion, mit der die Menschen versuchten, Antworten auf Leid, Not und Tod, also auf ihre existentiellen Probleme, zu finden. Jedoch irgendwann reichte ihnen die Religion nicht, denn - so Arthur Schopenhauer:

    "Mit der Unfähigkeit zum Glauben wächst das Bedürfnis der Erkenntnis. Es gibt einen Siedepunkt auf der Skala der Kultur, wo aller Glaube, alle Offenbarung, alle Auktoriäten (Autoritäten) sich verflüchtigen, der Mensch nach eigener Einsicht verlangt, belehrt, aber auch überzeugt sein will. Das Gängelband der Kindheit ist von ihm abgefallen. Dabei ist sein metaphysisches Bedürfnis so unvertilgbar, wie irgend ein physisches. Dann wird es Ernst mit dem Verlangen nach Philosophie ... Mit hohlem Wortkram und impotenten Bemühungen geistiger Kastraten ist da nicht mehr auszureichen; sondern es bedarf dann einer ernstlich gemeinten, d. h. einer auf Wahrheit, nicht auf Gehalt und  Honorare gerichteten Philosophie, die daher nicht frägt, ob sie Ministern oder Räten gefalle, oder dieser oder jener Kirchenpartei der Zeit in ihren Kram passe..."
    Arthur Schopenhauer, a. a. O., Band V, S. 138 f.

    So wurde - vielleicht nicht für alle Menschen, zumindest aber für eine geistige Elite - das Philosophieren zu einem Bedürfnis. Da es hierbei um die Suche nach der Wahrheit geht, fällt mir dazu ein Ausspruch des ZEN - Meisters Sosan ein, der vor fast 1500 Jahren erklärte:

    Ihr braucht die Wahrheit nicht zu suchen,
    Wenn ihr nur keinen vorgefassten
    Urteilen und Meinungen anhängt.

    Ja, LOSLASSEN, darauf kommt es an! Doch können wir so einfach loslassen? Mit dieser Frage, die letztlich eine metaphysische ist, sind wir wieder beim Philosophieren.
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

    Der Arthur Schopenhauer Studienkreis stellt sich vor > hier

  • Menschenbild

    Mancher würde erschrecken, wenn er den Andern sähe, wie er ist.

    Laut Arthur Schopenhauer, von dem obiges Zitat stammt, sehen wir die Menschen nicht so, wie sie sind, sondern nur so, wie wir sie sehen wollen. Oft stellt es sich erst spät, zuweilen zu spät heraus, wie der Mensch, dem wir vertrauten, vielleicht sogar liebten, wirklich ist. Dann kann die Enttäuschung und der Schaden groß sein. Ein Beispiel, das mich sehr betroffen macht, las ich dazu in der "Berliner Zeitung" vom 19./20. März 2011. Es geht hierbei um den Ex-Chef des Berliner Tierheims, der wegen Veruntreuung von 150.000 Euro verurteilt wurde.

    Das Tierheim gehört dem Berliner Tierschutzverein, der mit etwa 15.000 Mitgliedern der größte Tierschutzverein in Deutschland ist. Da ich dort bereits seit 45 Jahren Mitglied bin und ich diesen, nunmehr verurteilten ehemaligen Leiter des Tierheims aus zahlreichen Veranstaltungen des Tierschutzvereins kenne, ist meine Enttäuschung besonders groß. Wie ist es möglich, dass jemand, dem ausgesetzte und verstoßene, oftmals mißhandelte Tiere anvertraut wurden, diese Ärmsten der Armen um ihr Geld bringt? Wie ist ein Mensch charakterlich veranlagt, wenn er Spenden, die das völlig überfüllte Tierheim dringendst benötigt, z. B. in Japan für den Kauf teurer seidener Unterwäsche verwendet?

    Mitleid, ohne welches Tierschutzvereine nicht existieren würden, ist wie Habgier eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Im vorliegenden Fall hat sich offenbar trotz der alltäglichen Konfrontation mit dem Tierelend die Habgier durchgesetzt. Daran zeigt sich erneut, dass - wie Schopenhauer meint - der Charakter eines Menschen sich nur in Ausnahmefällen wirklich grundlegend ändert. Wer hofft, er könne durch Belehrungen oder bloßes Argumentieren den Charakter eines Menschen ändern, wird zumeist vergeblich hoffen. 

    Wie dem auch sei, gerade solche Enttäuschungen, wie oben geschildert, trugen dazu bei, dass sich mein Menschenbild immer mehr dem Schopenhauers annäherte. Ein positives Menschenbild finde ich zwar gut, aber blinder Glaube an das Gute im Menschen kann bitter enttäuscht werden. Enttäuschungen jedoch, wenn man aus ihnen lernt, können auf dem Wege zur Wahrheit sehr hilfreich sein. Auch das ist eine Erkenntnis, die ich bei Arthur Schopenhauer gefunden habe und die ich im Laufe meines Lebens oft bestätigt fand.  
    hb

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

  • Sexualität - Geschlechtsliebe

    Wenn man ... die wichtige Rolle betrachtet, welche die Geschlechtsliebe (so nennt  Arthur Schopenhauer die Sexualität ) in allen ihren Abstufungen und Nuancen, nicht bloß in Schauspielen und Romanen, sondern auch in der wirklichen Welt spielt, ... da wird man veranlaßt auszurufen: Wozu der Lärm? Wozu das Drängen, Toben ... ? Es handelt sich ja bloß darum, daß jeder Hans seine Grete finde: weshalb sollte eine solche Kleinigkeit eine so wichtige Rolle spielen und unaufhörlich Störung und Verwirrung in das wohlgeregelte Menschenleben bringen?

    Nur eine Kleinigkeit? - Keineswegs, denn immerhin hat Schopenhauer dem Thema Sexualität ein ganzes Kapitel ( Metaphysik der Geschlechtsliebe ) in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung eingeräumt. Dort hebt er hervor: Der Endzweck aller Liebeshändel ... ist wirklich wichtiger als alle andern Zwecke im Menschenleben, und daher des tiefen Ernstes, womit jeder ihn verfolgt, völlig wert. Das nämlich, was dadurch entschieden wird, ist nichts Geringeres als die Zusammensetzung der nächsten Generation.

    Nach Arthur Schopenhauer beruht Geschlechtsliebe nicht bloß auf chemischen und physikalischen Vorgängen, sondern primär auf etwas Metaphysischem, das hinter allen Erscheinungen dieser Welt steht. Schopenhauer bezeichnet es als Wille, weil dieses Metaphysische sich vor allem im Willen zum Leben äußert. Deutlichster Ausdruck dieses Willens zum Leben und damit der Lebensbejahung ist der Geschlechtstrieb. Dieses Thema spielt eine zentrale Rolle in der Philosophie Schopenhauers. Seine Philosophie trug wesentlich dazu  bei, dass in der Folgezeit - insbesondere im Zusammenhang mit der Lehre von Sigmund Freud - Sexualität neu bewertet wurde. Freud selbst hat ja auf die Übereinstimmung seiner Lehre mit Schopenhauers Philosophie hingewiesen.

    Biologisch gesehen, setzte die Entwicklung zu komplexen höheren Lebensformen zwei Geschlechter und mithin Sexualität voraus. Dementsprechend wird auch das Leben der Menschen - denn sie sind untrennbarer Teil der Natur - trotz aller individuellen Unterschiede mehr oder weniger weitgehend durch Sexualität beeinflusst. Es stellt sich dabei die Frage: Ist der Mensch, der von Sexualität beherrscht wird, wirklich der Treibende oder ist er nur der Getriebene? Jedenfalls ist das für mich ein weiterer Grund, an der vermeintlichen Freiheit des menschlichen Willens zu zweifeln.  Ja, je älter ich werde und je länger ich die Welt und ihre Menschen betrachte, desto mehr stimme ich auch bei diesem Thema Schopenhauer zu. Dieser hielt den Glauben, der Mensch habe einen freien Willen, für einen Wahn.  Die moderne Hirnforschung scheint Schopenhauer zu bestätigen. Übrigens, Forschungen ergaben: Sexualität spielt sich weitgehend im Kopf ab, so dass dieser auch hierbei (trotz manch gegenteiliger Behauptung) der wichtigste Körperteil ist.
    hb

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

  • Karlheinz Deschner : Aphorismen

    Karlheinz Deschner, einer der bedeutendsten Kirchenkritiker unserer Zeit, gehört zu den vielen Querdenkern, die von Arthur Schopenhauer geprägt, ja - wie Deschner selbst äußerte - "aufgewühlt" wurden. Wie sehr Arthur Schopenhauer ihn geprägt hat, wurde mir besonders deutlich, als ich vor einigen Tagen Deschners Bissige Aphorismen las. Dort fand ich viele Sprüche, die mich in Inhalt und Stil an Schopenhauers Aphorismen erinnerten.

    Vor allem Deschners wirklich bissige Aphorismen zum Thema  "Religion und Klerus" sind, wie ich meine, ganz im Sinne Schopenhauers.  Dazu einige Kostproben:

    - Religionen sind Fertighäuser für arme Seelen.

    - Es ist bekannt, doch darf daran erinnert werden: Die Freiheit eines Christenmenschen beginnt mit der Zwangstaufe.

    - Sie verzeihen es mir nie, daß sie so abscheulich sind, wie ich sie geschildert habe.

    - Von allen Heiligen mag ich allein die heiligen Kühe; doch die andern Kühe gelten mir genausoviel.

    - Theologe - einziger Experte ohne Ahnung von seinem Forschungsobjekt.

    - Ein fortschrittlicher Theologe: ein Widerspruch in sich. Wenn ein Theologe fortschreitet, ist er kein Theologe mehr.

    Übrigens, Karlheinz Deschners Schrift "Für einen Bissen Fleisch -  Das schwärzeste aller Verbrechen " enthält Aphorismen, die wohl  jedem Tierrechtler aus dem  Herzen gesprochen sind. Auch dort zeigt sich die enge Nähe Deschners zu Schopenhauer. Es ist gerade seine konsequente Tierliebe, seine immense Kenntnis der Kirchengeschichte, die Deschner zum entschiedenen Gegner der Kirche, ja zur christlichen Religion machten. Wer sein mehrbändiges Hauptwerk  "Kriminalgeschichte des Christentums" gelesen hat, müsste seine Abneigung gegen die Kirche und die hinter ihr stehende Religion verstehen.

    Als ich kürzlich in Deschners Aphorismen blätterte, fiel mein Blick auf den Spruch:
    Eine Gesellschaft, die Schlachthäuser und Schlachtfelder verkraftet, ist selber schlachtreif.
    Ist das so? Wie dem auch sei, Schlachthäuser und Schlachtfelder haben einen Urheber: der Mensch, die  " Krone der Schöpfung ". Wo es aber eine Schöpfung und somit einen Schöpfer gibt, gibt es einen letztlich Verantwortlichen, der auch die eigentliche Schuld für Schlachthäuser und Schlachtfelder trägt. Dazu fällt mir ein anderes Deschner-Zitat ein:
    "Um Gottes Willen!" - bedeutet das je etwas Gutes?
    hb

    Weiteres > Karheinz Deschner , Arthur Schopenhauer und die Tierethik

    Übersicht zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs  > hier

    Zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Herz und Kopf

    Was dem Herzen widerstrebt, läßt der Kopf nicht ein. Arthur Schopenhauer hat hier eine Wahrheit ausgesprochen, die für das Denken und Handeln des Menschen von größter Bedeutung ist. So habe ich bei meiner  Öffentlichkeitsarbeit für den Tierschutz immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass selbst die besten Argumente und eindringlichsten Bilder nichts helfen, wenn die Menschen sich einfach weigern, diese zur Kenntnis zu nehmen.

    Was Schopenhauer hier als Herz bezeichnet, symbolisiert  das Innerste des Menschen. Im Herzen steckt der Mensch, nicht im Kopf - womit sich Schopenhauer auf das eigentliche Wesen des Menschen bezieht. Es äußert sich in seinem Charakter, in seinen Gefühlen. 

    Im Gegensatz zu fast allen bedeutenden Philosophen seiner Zeit erkannte Schopenhauer, dass der Mensch weit mehr von seinen Gefühlen geleitet wird als von seinem Intellekt. Diese damals geradezu revolutionäre Erkenntnis wird heute mehr und mehr von der Wissenschaft bestätigt. Der Mensch ist nicht das durch und durch rationale Wesen, für das er sich oftmals hält, sondern Gefühle - auch wenn sie unterdrückt werden - beherrschen ihn weitgehend. Sie sind daher ein äußerst wichtiger Teil seines evolutionären Erbes.

    Herz und Kopf, so Arthur Schopenhauer, bezeichnen den  ganzen Menschen. Beide unterscheiden sich aber fundamental voneinander: Bei der Erziehung läßt sich der Kopf aufhellen, die Einsicht berichtigen, nicht aber das Herz bessern. Das zeigt sich auch am oben erwähnten Beipiel, denn wer kein Herz für Tiere hat, bei dem bleiben alle Kopfargumente wirkungslos, der Kopf läßt diese einfach nicht ein.

    Im Umgang mit Menschen habe ich im Laufe meines Lebens eine weitere Weisheit Schopenhauers bestätigt gefunden: Das Gedächtnis des Herzens ist intimer als das des Kopfes. Herzensangelegenheiten werden zeitlebens nicht vergessen, was hingegen nur eine Sache des Verstandes ist, oft sehr bald.
    hb

    Quellenangaben und weitere Schopenhauer - Zitate zu diesem Thema > hier

    Übersicht zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Jainismus - Religion ohne Gewalt

    Von Natur, meinte Arthur Schopenhauer, würde nicht das Recht, sondern die Gewalt auf Erden herrschen. Auch heute noch stoßen wir in allen Bereichen des Lebens auf Gewalt. Das gilt mehr oder minder auch für die Religionen, verdanken sie doch selbst ihre weltweite Verbreitung in starken Maße der Gewalt. So zeigt ein Blick in die Geschichte, dass die konfessionelle Verteilung in der Welt, auch in Deutschland,  weitgehend das Ergebnis von Kriegen, das heißt der erfolgreichen Ausübung von Gewalt ist. Eine unerfreuliche und im Sinne politischer Opportunität unerwünschte, aber leider wahre Feststellung. Um so ermutigender ist die Tatsache, dass es Ausnahmen gibt. Eine solche Ausnahme, und zwar in sehr eindrucksvoller Weise, ist eine uralte indische, auch heute noch existierende, durchaus lebendige Religion, nämlich der Jainismus.

    Schon vor fast 200 Jahren erwähnte Schopenhauer diese, dem Buddhismus nah verwandte Religion. Jedoch im Gegensatz zum Buddhismus ist die Religion der Jainas bei uns immer noch ziemlich unbekannt. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil es sich beim Jainismus nicht nur um eine der ältesten Religionen der Welt handelt, sondern weil es eine Religion ist, die sich - konsequent und so allumfassend wie keine andere - für Gewaltlosigkeit und dementsprechend entschieden für den Vegetarismus einsetzt,  wobei sie von ihren Anhängern sogar die vegetarische Lebensweise fordert.

    Die Anfänge des Jainismus liegen im Dunkeln. Einer ihrer ersten historischen Persönlichkeiten war wohl Parshva, der um 800 v. u. Ztr. in Indien  lebte und als einer der "Tirthankaras" (Furtbereiter, d. h. Gründer) des Jainismus gilt. Sein bis heute bedeutendster Nachfolger war Mahavira, der etwa zur Zeit des Buddha, also um 550 v. u. Ztr.,  in Nordindien wirkte. Somit ist der Jainismus erheblich älter als der Buddhismus. Das erklärt vielleicht auch manche Unterschiede, die trotz vieler Gemeinsamkeiten zwischen Jainismus und Buddhismus bestehen. Es sind wohl diese Gemeinsamkeiten, die Arthur Schopenhauer glauben ließen, dass die Jainas "nur dem Namen nach von den Buddhaisten verschieden sind".

    Gerade in ihrer allumfassenden Ethik sowie ihrer Ablehnung des brahmanischen Tieropfers und Kastenwesens stimmen Jainismus und Buddhismus überein. Hierbei ist die Gewaltlosigkeit, im altindischen Sanskrit AHIMSA genannt, das zentrale ethische Prinzip des Jainismus. Dieses Prinzip gilt im fundamentalen Gegensatz  zu den bei uns herrschenden Religionen gegenüber allen Lebewesen. Die AHIMSA äußert sich noch konsequenter als beim Buddhismus in allen Lebensbereichen der Jainas.  Dementsprechend ist, wie oben bereits erwähnt, bei ihnen die vegetarische Lebensweise eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht nur für den Vegetarismus, sondern auch in vielen anderen Bereichen setzen sich Jainas für den Tierschutz ein. So unterstützen sie in Indien seit  jeher Tierkrankenhäuser, worüber sich - was bezeichnend ist - "Westler" schon vor Jahrhunderten wunderten.

    Durch ein solches Tierkrankenhaus wurde ich erstmals auf den Jainismus aufmerksam: Tief beeindruckt las ich 1970 einen Zeitungsbericht über ein Vogelhospital, das die Jainas in Indien unterhalten. Das führte dann dazu, dass ich mich für den Jainismus näher interessierte und dann in Vorträgen, Artikeln usw. über diese einmalige Religion berichtete.  Übrigens kam ich dadurch, welch` ein Zufall (?), zu Schopenhauer, und zwar im Zusammenhang mit meinem Beitrag in "Der Vegetarier" (Heft 2/1977) über "Vegetarismus und Tierschutz in der Jaina-Religion". Von diesem Artikel, das sei hier angemerkt, wurde kürzlich ein etwas veränderter Auszug durch die Jain Association International auf der Website vom Vegetarierbund Deutschland (>hier) veröffentlicht. Vor Erscheinen meines Artikels in der genannten Zeitschrift hatte ich (1976) eine Diskussion mit dem damaligen Redakteur, Professor Brockhaus. Es ging dabei um einige tiefergehende philosophische Fragen, die weit über den Jainismus hinaus von Bedeutung sind. Schließlich fand ich dazu bei Schopenhauer Antworten, die nicht nur mich, sondern - wie mir schien - auch den Professor zufrieden stellten. Nun sind inzwischen 35 Jahre vergangen, doch das Thema " Jainismus " und Schopenhauers Philosophie sind seitdem für mich unverändert aktuell geblieben.

    Was mich als Tierrechtler besonders am Jainismus fasziniert, ist die Konsequenz, mit der die Jainas ihren Grundsatz der Gewaltlosigkeit ( AHIMSA ) seit mehr als 2500 Jahren auch auf nichtmenschliche Wesen ausdehnen. Eine solche allumfassende Ethik, und zwar nicht nur gepredigt, sondern auch praktiziert, dürfte in der Religionsgeschichte einmalig sein! Voll und ganz kann ich dem zustimmen, was ich in einer Veröffentlichung der Jainas las:
    Wenn jemand seinen Körper durch das Fleisch anderer Lebewesen mästet, so ist seine Verehrung der AHIMSA in Wahrheit Scheinheiligkeit.
    hb

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier
    zum Jainismus > hier

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Hinweis: Die vollständige Fassung meines o. g. Beitrages " Vegetarismus und Tierschutz in der Jaina-Religion " (in: "Der Vegetarier" Nr.3/1977) wurde vom Vegetarierbund Deutschland auch im Internet veröffentlicht. > hier

     

  • Kalenderspruch

    Das könnte auch von Arthur Schopenhauer sein:

    Weise Weihnacht wäre wichtiger als weiße Weihnacht.
    Klaus Klages

  • ZEN und Schopenhauer

    Im Mittelpunkt dieses Blogs steht Arthur Schopenhauers praxisorientierte Lebensphilosophie. Schon deshalb ist der folgende Beitrag keine wissenschaftlich-theoretische Abhandlung über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ZEN und Schopenhauer.

    ZEN, entstanden im Laufe von fast zwei Jahrtausenden aus buddhistischer und taoistischer Mystik, ist Spiritualität, welche die Grenzen des in Worten Beschreibbaren überschreitet. Dennoch gibt es inzwischen derart viele Bücher über ZEN, dass ganze Bibliotheken damit gefüllt werden können. Ich möchte nun gar nicht erst versuchen, das Unbeschreibbare zu beschreiben, sondern mich darauf beschränken, hier nur etwas von meinen persönlichen Eindrücken und Begegnungen mitzuteilen: 

    Auf meinem kleinen Bücherbord am Esstisch, stets im Blickfeld, ist Arthur Schopenhauer präsent. Neben ihm ist noch etwas Platz. Zwei Bücher habe ich gewählt, die diesen Platz ausfüllen. Sie erschienen mir passend zu sein, um neben Schopenhauer zu stehen. Es sind uralte spirituelleTexte: " Shinjinmei ", eine "Gedichtsammlung vom Glauben an den Geist". Dieser älteste überlieferte Grundtext des ZEN stammt von Meister Sosan und ist etwa 1400 Jahre alt. Daneben steht das " Lankavatara-Sutra " mit dem Titel "Die makellose Wahrheit erschauen". Es ist ebenfalls einer der wichtigsten heiligen Texte des Buddhismus. Der indische Mönch Bodhidharma brachte diese Schrift aus Südindien nach China, wo sie später zum Grundstein für den ZEN - Buddhismus wurde. Je mehr ich diese Urtexte auf mich einwirken lasse, desto deutlicher wird mir die enge spirituelle Nähe zu Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" - und das, obwohl weit mehr als ein Jahrtausend dazwischen liegt und zwischen der buddhistischen und unserer zutiefst vom Christentum geprägten Kultur eine Kluft besteht, die kaum zu überbrücken ist.

    Eigentlich hatte ich nicht vor, mich über ZEN in diesem lebensphilsophischen, auf den Alltag bezogenen Blog zu äußern.   Ein Artikel in der "Berliner Zeitung" vom 14.12.2010 veranlasst mich jedoch, hier über eine persönliche  Erfahrung zu berichten, die vielleicht von allgemeinem Interesse ist. Der Zeitungsartikel trägt die Überschrift "Die Knie müssen den Boden berühren  - Bei einer Zen-Meditation ist jedes Detail festgelegt". Da ich selbst vor vielen Jahren Vorstandsmitglied der "Buddhistischen Gesellschaft Berlin" war und einen "Buddhistischen Arbeitskreis" geleitet hatte, kam ich öfters auch mit Praktizierenden des ZEN zusammen. Sie erzählten mir dabei einiges von ZEN - Veranstaltungen, was weitgehend mit der zitierten Artikel-Überschrift übereinstimmt. Hierzu ist mir vor allem ein Erlebnis bis heute nachhaltig im Gedächnis geblieben:

    In meinem Arbeitskreis war ein Teilnehmer, der vom ZEN kam und mir durch sein besonderes Interesse auffiel. Er nahm auch an unseren Meditationen teil. Eines Tages bat er mich um ein Gespräch unter vier Augen. Was er mir mitzuteilen hatte, war erschütternd: Er könne nicht mehr an unseren Treffen und den Meditationen teilnehmen. Heftige Hustenanfälle und andere Beschwerden würden es ihm unmöglich machen. Auch bei ZEN - Sitzungen wäre er deshalb schon seit einiger Zeit nicht dabei, weil, wie er meinte, er dort wohl als störend empfunden werde. Er hätte eine Krankheit, die (jedenfalls zur damaligen Zeit)  unheilbar zum Tode führe: Aids! Ihm wäre es aber sehr wichtig, mit mir allein zusammenzukommen und über Schopenhauer zu sprechen. So trafen wir uns dann öfters an einem ruhigen Ort, und Schopenhauer war unser zentrales Thema. Dann näherte sich das Ende. Bei unserem letzten Treffen lasen wir gemeinsam, und zwar auf seinen Wunsch hin, Schopenhauer. Es war das Kapitel, das auch der Lübecker Ratsherr Buddenbrook in Thomas Manns gleichnamigen Roman während der letzten Stunden seines Lebens gelesen hatte: "Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesens an sich". Am nächsten Tag rief mein ZEN -Freund mich an, um sich zu bedanken - und  sich von meiner Frau und mir zu verabschieden ...

    Auf Wunsch seiner Schwester und seines Freundes hatte ich, als sich alle, die ihm nahestanden, zu seinem Gedenken versammelten, Worte des Abschieds gesprochen. Übrigens, von seinen ZEN - "Freunden", die sicherlich von seinem Tod informiert waren, hatten wir dort niemand gesehen. Vielleicht war er für sie nicht mehr von Interesse, denn bei den letzten ZEN - Sitzungen konnte er nicht mehr ruhig sitzen und vom "richtigen Sitzen" solle ja, wie manche Anhänger des ZEN behaupten, alles abhängen. Dementsprechend heißt es im bereits erwähnten Zeitungsbericht über eine ZEN - Veranstaltung: "Die Haltung ist das Glaubensbekenntnis". Sollte es dabei wirklich nur um "Haltung" gehen und dabei der Mitmensch, die Mitwesen vergessen werden, dann allerdings sehe ich einen Abgrund zwischen ZEN und Schopenhauer.

    Vielleicht ist vieles, was sich bei uns als " ZEN " ausgibt, gar nicht ZEN, sondern cleveres Ausnutzen eines menschlichen Bedürfnisses, nämlich des Suchens nach Sinn und Wahrheit im Leben. Wundern würde mich das in unserer vom Kommerz beherrschten Zeit nicht. Inzwischen hat ja das Gewinnstreben alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst. Wenn möglich, versuche ich, solchem Zeitgeist auszuweichen. Deshalb  meide ich Veranstaltungen, die zwar einen spirituellen Anstrich haben, aber auf mich einen ziemlich geschäftigen Eindruck machen.  Ich denke dabei an die Worte des ZEN - Meisters Sosan:  "Der Weise ist frei von Geschäftigkeit". Das Zitat habe ich einem kleinen Büchlein entnommen, das den Titel trägt: "Augenblicke der Stille". Solche Augenblicke wünsche ich für die Weihnachtstage und das bald beginnende neue Jahr allen Freunden und Lesern dieses Blogs!
    hb

    Zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

  • Tierschutz nur zweitrangig?

    In seinem Leben und in seiner Philosophie hatte sich Arthur Schopenhauer nachdrücklich für den Tierschutz eingesetzt. Zahlreiche Belege aus Schopenhauers Leben und Werken zeigen, dass Tierschutz für ihn kein nebensächliches Thema war. Schopenhauer stand damit im Gegensatz nicht nur zu fast allen anderen bedeutenden Philosophen, sondern auch zu den   vorherrschenden, im Grunde tierverachtenden Auffassungen seiner Zeit.

    Heute werden tierabwertende Meinungen vielleicht nicht so offen zum Ausdruck gebracht, aber dennoch ist der Tierschutz kein vordringliches Thema unserer Gesellschaft. Zwar steht inzwischen der Tierschutz als Staatsziel im deutschen Grundgesetz, jedoch in der Praxis, also dann, wenn es wirklich darauf ankommt, hat der Tierschutz zumeist das Nachsehen. Andererseits gibt es zahlreiche Organisationen, von denen man annehmen darf, dass sie sich vorrrangig für den Schutz der Tiere einsetzen. Ist das aber wirklich der Fall? Hierzu einige Beispiele, die mich nachdenklich stimmen:

    Ich habe mich viele Jahre aktiv für die Tierschutzpartei (Partei Mensch Umwelt Tierschutz) eingesetzt und unterstütze diese Partei auch heute noch, weil ich hoffe, dadurch den Tierschutz in Deutschland politisch voranzubringen. Inzwischen muss ich aber feststellen, dass diese Partei sich immer weniger Tierschutzpartei nennt, sondern stattdessen immer mehr die Langbezeichnung in der Formulierung " Partei ergreifen für Mensch Umwelt Tierschutz " verwendet. Offenbar meinen die Verantwortlichen, dass Tierschutz nicht genügend attraktiv ist und man deutlicher - und zwar vorrangig - Mensch und Umwelt betonen muss. Ob die Partei damit bei den Wählern mehr Erfolg haben wird, dürfte sich bereits bei der nähsten Wahl (Landtagswahl in Baden-Württemberg) erweisen. Wie dem auch sei, oben genannte, von der Partei gewählte Formulierung lässt in ihrer Reihenfolge den Schluss zu, dass Tierschutz für die Partei nicht erst- , ja auch nicht zweit-, sondern drittrangig geworden ist.  Ich hoffe, dass ich mich mit dieser Einschätzung täusche, fürchte aber, dass ich damit Recht habe.

    Ein weiteres Beispiel - für mich als Veganer von besonderem Interesse -  ist die kürzlich gegründete Vegane Gesellschaft Deutschland e.V.. Laut ihrer Satzung fördert sie die vegane Lebensweise, vor allem um die menschliche Ernährungssituation zu verbessern und den Welthunger zu überwinden. Erst an zweiter Stelle und damit als zweitrangiges Ziel steht die "Förderung der Überwindung des Leidens und Tötens der Tiere durch Menschen".

    Um nicht mißverstanden zu werden: Ich halte es durchaus für sehr wichtig und notwendig, sich für hungernde und leidende Menschen sowie für den Umweltschutz einzusetzen. Doch erscheint es mir angebracht, darauf hinzuweisen, dass auch die obigen Organisationen den Tierschutz nicht als erstrangiges Ziel ansehen und somit auch dort der von Tierrechtlern kritisierte Anthropozentrismus (Der Mennsch ist das Maß aller Dinge), wenngleich in sehr abgemilderter Form, fortbesteht.

    Selbst bei Tierschutzvereinen, deren Vereinszweck schon aus dem Namen eindeutig hervorgeht, ist der Anthropozentrismus zu erkennen, denn von ihnen wird, wie schon zu Schopenhauers Zeit, oft der Tierschutz mit Menschenschutz begründet. Dazu schrieb Arthur Schopenhauer :

    Die Tierschutzgesellschaften, in ihren Ermahnungen, brauchen  noch immer das schlechte Argument, daß Grausamkeit gegen Tiere zu Grausamkeit gegen Menschen führe; - als ob bloß der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand der moralischen Pflicht wäre, daß Tier bloß ein mittelbarer, an sich eine bloße Sache! Pfui!
    ( Arthur Schopenhauer , Parerga und Paralipomena II, Hrsg. v. Julius Frauenstädt, 2. Aufl., Neue Ausg. Leipzig 1919, S. 404.)

    Als Tierrechtler kann ich den Standpunkt Schopenhauers gut verstehen. Dennoch: Die Argumente mögen anthropozentrisch sein und der Tierschutz nicht an erster Stelle stehen, wichtig ist, dass dabei den Tieren überhaupt geholfen wird!
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Gesundheit - kein Thema?

    Aus Anlass einer Erkrankung, weshalb ich übrigens auch hier beim Blog eine mehrmonatige Zwangspause einlegen musste,  schaute ich mal in philosophischen Büchern nach, was diese zu dem für uns alle lebenswichtigen Thema " Gesundheit " mitzuteilen haben. So griff ich zum  "Philosophischen Wörterbuch" (21. Aufl., Stuttgart 1982) und zum "Wörterbuch  der philosophischen Begriffe" (2. Aufl., Hamburg 1955). Überrascht stellte ich fest, dass in beiden Standardwerken das Stichwort  "Gesundheit " fehlt. Offenbar ist Gesundheit für die akademische Philosophie kein Thema, was wiederum zeigt, wie abgehoben, d. h. lebensfremd, solche Art des Philosophierens sein kann. Völlig anders jedoch bei Arthur Schopenhauer:

    Nicht nur gelegentlich, sondern an zahlreichen Stellen seiner philosophischen  Werke ging Schopenhauer auf die überragende Bedeutung ein, welche die Gesundheit für unser Leben und auch für unsere geistige Erfassung dieser Welt hat. Oft sind wir uns aber dessen nicht bewusst. Solange wir gesund sind, nehmen wir unsere Gesundheit nicht besonders wahr und halten sie für eine Selbstverständlichkeit, was sie jedoch keineswegs ist.

    So werden wir, schrieb Arthur Schopenhauer, "der drei größten Güter des Lebens, Gesundheit, Jugend und Freiheit, nicht als solcher inne, so lange wie wir sie besitzen; sondern erst nachdem wir sie verloren haben ... Daß Tage unsers Lebens glücklich waren, merken wir erst, nachdem sie unglücklichen Platz gemacht haben."
    ( Arthur Schopenhauer , Die Welt als Wille und Vorstellung II, Zürcher Ausg., S. 673)
    Ja, jeder ernsthaft Kranke, dauerhaft Behinderte wird Schopenhauer da aus eigener Erfahrung zustimmen müssen.

    Gesundheit ist zwar nicht alles, aber sie ist wichtiger als vieles, was uns sonst im Leben als wichtig erscheint. Schopenhauer hat das sehr deutlich hervorgehoben: "Besonders überwiegt die Gesundheit alle äußern Güter so sehr, daß wahrlich ein gesunder Bettler glücklicher ist, als ein kranker König."
    ( Hierzu und den folgenden Schopenhauer - Zitaten : Arthur Schopenhauer , Aphorismen zur Lebensweisheit , Zürcher Ausg., S. 348 ff.)

    Übrigens hat Schopenhauer sich in obigem Zitat nur auf die "äußern" Güter bezogen - eine entscheidende Einschränkung, die beweist, dass es Schopenhauer hier nicht um ein bloßes egoistisches Gesundheitsstreben ging, denn gerade in seiner auf Mitleid beruhenden Ethik gibt es höhere Werte, die es rechtfertigen können, Leben und Gesundheit einzusetzen. Ich habe beispielsweise im Tierschutz Menschen kennengelernt, die sich aus Mitleid mit hilflosen, leidenden Tieren fast schon aufopferten. Hier sprach dann das Herz und nicht der nur dem eigenen egoistischen Wohlergehen dienende Verstand!

    Ansonsten aber ist es, wie Schopenhauer bemerkte, "weiser ... auf die Erhaltung seiner Gesundheit und auf die Ausbildung seiner Fähigkeiten, als auf die Erwerbung von Reichtum hinzuarbeiten".  Gesundheit sei wesentlich für unser Glück: "Hieraus aber folgt, daß die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, Beförderung, für Gelehrsamkeit, Ruhm, geschweige für Wollust und flüchtige Genüsse ..."

    An diese Worte Schopenhauers musste ich denken, als am letzten Samstag die tragische Meldung kam, dass ein junger Mensch für eine Wette im Rahmen der ZDF-Spielshow "Wetten, dass ...?" schwer verletzt wurde und - falls er überlebt - wohl dauerhafte gesundheitliche Schäden davontragen wird. Ich kann und will hier nicht über die Risikobereitschft des Verunglückten urteilen. Fest steht aber für mich, dass unsere nach "flüchtigen Genüssen" gierende Gesellschaft  solche traurigen Vorfälle provoziert. So ist es und so war es auch zu Schopenhauers Zeiten, denn die Menschen mit allen ihren Torheiten haben sich seitdem nicht grundsätzlich geändert. Schon deshalb ist Arthur Schopenhauer ein aktueller Lebensphilosoph geblieben.  
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Lebensphilosophie > hier

  • Religionen und Toleranz

    Ob und inwieweit Religionen tolerant sind, ist ein altes und dennoch aktuelles Thema. Es ist verständlich, dass in Religionen die Toleranz besonders dann ausgeprägt ist, wenn sie als Minderheit auf die Toleranz der andersgläubigen Mehrheit angewiesen sind. Das wäre jedoch dann nur Taktik und keine Tugend. Sind Religionen aber wirklich, also von ihrer Glaubensüberzeugung her, tolerant? Arthur Schopenhauer hatte da seine Zweifel und wies hierzu auf einen grundsätzlichen  Unterschied hin:

    "In der Tat ist Intoleranz nur dem Monotheismus wesentlich: ein alleiniger Gott ist, seiner Natur nach, ein eifersüchtiger Gott, der keinem andern das Leben gönnt. Hingegen sind die polytheistischen Götter, ihrer Natur nach, tolerant: sie leben und lassen leben: zunächst dulden sie gern ihre Kollegen, die Götter derselben Religion, und nachher erstreckt diese Toleranz sich auch auf fremde Götter, die demnach gastfrei aufgenommen werden und später bisweilen sogar das Bürgerrecht erlangen; wie uns zunächst das Beispiel der Römer zeigt, welche phrygische, ägyptische und andere fremde Götter willig aufnahmen und ehrten. Daher sind es die monotheistischen Religionen allein, welche uns das Schauspiel der Religionskriege, Religionsverfolgungen und Ketzergerichte liefern, wie auch das der Bilderstürmerei und der Vertilgung fremder Götterbilder, Umstürzung indischer Tempel und ägyptischer Kolosse, die drei Jahrtausende hindurch in die Sonne gesehen hatten; weil nämlich ihr eifriger Gott gesagt hatte: ´ Du sollst dir kein Bildnis machen ` ..."  

    Noch deutlicher wurde Schopenhauer, indem er auf "Giordano Brunos  und Vavinis Scheiterhaufen" hinwies: "... auch diese nämlich waren jenem Gott geopfert worden, für dessen Ehre, ohne allen Vergleich, mehr Menschenopfer geblutet haben, als auf den Altären aller heidnischen Götter beider Hemisphären zusammengenommen".

    Schopenhauers Krititik wiegt auch deshalb schwer, weil er kein fanatischer Gegner des Christentums war, sondern dessen unentbehrliche Bedeutung im Leben vieler Menschen durchaus anerkannte. Inwieweit Arthur Schopenhauer mit seinem Urteil über die Toleranz der Religionen recht hatte, davon mag sich jeder selbst überzeugen, sofern er diese Religionen nicht nur nach ihren wohlklingenden Worten, sondern auch nach ihrer Praxis in Vergangenheit und Gegenwart wertet. 

    Wie dem auch sei, eine pluralistische Gesellschaft, in der Religionen, wenn überhaupt, nur sehr begrenzte Macht haben und bloß Privatangelegenheit sind, scheint mit die beste Gewähr für Toleranz zu sein, denn  - so eine Lebenserfahrung - Schwäche zwingt zur Toleranz.
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Lebensweisheit : Verborgene Wahrheit

    Bei Arthur Schopenhauer las ich eine alte Lebensweisheit, die wohl jeder, der mit kritischem Blick unsere Welt betrachtet, bestätigen kann:

    Die Wahrheit steckt tief im Brunnen, hat Demokritos gesagt, und die Jahrtausende haben es seufzend wiederholt: aber es ist kein Wunder; wenn man, sobald sie heraus will, ihr auf die Finger schlägt.
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Schopenhauerianer fand Ermutigung

    Als in Deutschland um 1840 die ersten Tierschutzvereine entstanden, war Arthur Schopenhauer einer ihrer ersten Mitglieder. Darüber war Schopenhauer mit seiner auch die Tiere einschließenden Philosophie ein geistiger Wegbereiter für die in den letzten Jahrzehnten sich mehr und mehr entfaltende Tierrechtsbewegung. Obwohl Schopenhauer dem Fortschrittsgedanken im allgemeinen eher skeptisch gegenüberstand, glaubte er, dass der Tierschutz eine Zukunft hat. Solche Gedanken gingen mir durch den Sinn, als ich heute das Vegan-Vegetarische Sommerfest besuchte, der auf einem der verkehrsreichsten Plätze in Berlin stattfand. Viele vegetarische bzw. vegane Gruppen und auch Tierschutzvereine sowie die Tierschutzpartei nahmen daran teil. Vor allem fielen mir die vielen jungen Leute auf, die auf mich einen sehr interessierten und engagierten Eindruck machten. Das lässt für die Zukunft hoffen!  Im übrigen traf ich auf diesem Sommerfest manche mir seit Jahren bekannte Mitstreiter aus der Tierrechtsszene. Normalerweise gehe ich Menschenansammlungen aus dem Wege, aber heute waren für mich die menschlichen Begegnungen eine Ermutigung. Ich glaube, Schopenhauer, der ansonsten Menschenmassen meidete, hätte das auch so empfunden. 
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

     

  • Kirche - teurer Luxus?

    Eine längst prophezeite Epoche ist eingetreten: die Kirche wankt, wankt so stark, dass es sich frägt, ob sie den Schwerpunkt wiederfinden werde: denn der Glaube ist abhanden gekommen, stellte schon vor über 150 Jahren Arthur Schopenhauer fest. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte scheint Schopenhauers Ansicht zu bestätigen, aber "wankt" deshalb die Kirche? Ich bezweifele das, denn trotz erheblichen Mitgliederschwundes ist die Kirche in Staat und Gesellschaft überaus einflussreich geblieben. Auch wenn vielen Kirchenmitgliedern der Glaube weitgehend "abhanden gekommen" ist, so bleiben sie ihrer Kirche als Steuerzahler bzw. über Taufen, kirchliche Trauungen, Beerdigungen usw. verbunden. Vor allem sind die großen Kirchen durch rechtliche Privilegien und erhebliche finanzielle Förderung des Staates bestens abgesichert. Die Kirche muss sich also um ihre Existenz keine Sorgen machen, womit ich natürlich nur die großen "Volkskirchen" meine. Das Urteil - oder sollte ich besser sagen die Hoffnung - Schopenhauers war wohl verfrüht. 

    Wie sehr sich Schopenhauer, was die Zukunft der Kirche angeht, irrte, wurde mir aus einem Artikel der "Berliner Zeitung" vom 29. Juli 2010 deutlich: Unter der bezeichnenden Überschrift "Segensreiche Pfründe" meldete die Zeitung, dass die Bundesländer (außer Bremen und Hamburg) in diesem Jahr knapp 460 Millionen Euro Staatsleistungen an die Kirchen abführen müssen. Es sind, wie der Bericht erläuterte, "öffentliche Mittel, die nicht etwa den kirchlichen Sozialeinrichtungen wie der Caritas oder der Diakonie zugute kommen - die werden mit zusätzlichen Milliarden an staatlicher Hilfe betrieben. Auch staatliche Zuschüsse für die Instandhaltung und Restaurierung von Kirchen kommen noch einmal drauf."  Das in Zeiten knapper öffentlicher Kassen, in denen die Kommunen wegen fehlender Mittel ihre sozialen Aufgaben kaum noch erfüllen können! Doch gibt es dafür eine Rechtfertigung: den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 !!! So muss der Steuerzahler seit mehr als 200 Jahren die damalige Enteignung kirchlicher Güter immer noch ausgleichen.

    Auch wenn es die Steuerzahler nicht einsehen, sie werden für den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 weiter zahlen, denn, so die Zeitung, "wie es aussieht, werden die Kirchen auch künftig nichts zu fürchten haben". Falls die historische Begründung nicht reichen sollte, warnte vorsorglich der CSU-Bundestagsabgeordnete Geis davor, den Kirchen die finanzielle Grundlage zu entziehen, da sie eine stabilisierende Kraft in der Gesellschaft seien. So ist es dann nicht verwunderlich, wenn durch den Staat auch weiterhin das finanzielle Wohlergehen der Kirchen gesichert, ja eigentlich schon fast garantiert wird. Übrigens, für die Kosten der  großzügigen Kirchensubventienierung müssen - zumindest indirekt - alle Steuerzahler aufkommen, also auch die nichtkirchensteuerpflichtigen Andersgläubigen bzw. Atheisten.

    Was finanziert eigentlich der Steuerzahler, wenn er die Kirche unterstützen muss? Finanziert er Luxus, d. h., ist die Kirche selbst ein Luxus? Sicher nicht für Kirchengläubige. Die Kirche vermittelt ihnen Religion und hat damit eine wichtige Aufgabe, nämlich - worauf Arthur Schopenhauer besonders hinwies - die Befriedigung metaphysischer Bedürfnisse. Religion ist, so Schopenhauer, Metaphysik fürs Volk und kann deshalb nicht durch bloße Philosophie und schon gar nicht durch materialistische Weltanschauungen ersetzt werden. Verständlich, wenn den Gläubigen ihre Kirche "lieb und teuer" ist. Gewiss, die Ausgaben der Kirche sind groß, doch frage ich mich: Geht es hierbei wirklich um Gottes Willen oder vielmehr um Gottes Villen?
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

     

  • Zoodirektor - ein Tierfeind?

    Wer sich als Tierschützer intensiv mit der Problematik von Zoos auseinandergesetzt hat, weiß, dass diese nicht unbedingt Einrichtungen des Tierschutzes sind. Als Tierrechtler wird man die Zoos ohnehin als Stätten bloßer Zurschaustellung ihrer Freiheit beraubter Tiere ablehnen. So habe ich, was Zoos angeht, schon lange keine Illusionen. Was ich aber in der heutigen "Berliner Zeitung" unter der Überschrift "Jagd im Tierpark. Staatsanwaltschaft ermittelt wieder gegen Blaszkiewitz" las, hat mich doch schockiert:

    Zoodirektor Blaszkiewitz wurde von Tierschützern angezeigt, weil im Berliner Tierpark Füchse und Kaninchen illegal abgeschossen worden seien.  Der Zoodirektor begründete dies mit dem angeblichen Schutz von Zootieren, was jedoch nach Meinung der zuständigen Behörde auch durch dichte Umzäunung möglich gewesen wäre. Das Verhalten des Zoodirektors, meinte Edmund Haverbeck von der Tierrechtsorganisation Peta, spreche deutlich für dessen tierfeindliche Gesinnung.

    Es ist nicht das erste Mal, dass gegen diesen Zoodirektor ermittelt wird. So wurde er, wie die Zeitung berichtet, bereits 2008  wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Der Zoodirektor hatte im Tierpark junge Katzen durch Genickbruch getötet. Außerdem gab es Anzeigen wegen Verdachtes auf illegale Tierversuche. Auch die Art und Weise, wie er als Zoodirektor Tierhandel betrieb, stieß auf Kritik.

    Für mich ist das eine erneute Bestätigung, was ich durch Arthur Schopenhauer ohnerhin schon weiß, nämlich dass Mitgefühl mit Tieren, ja Tierliebe, nicht durch Studium der Veterinärmedizin oder Zoologie erworben wird, sondern diese ethische Einstellung im Charakter des Menschen angelegt ist - oder dort, wie offenbar im obigen Beispiel, fehlt. Derartige Charaktermängel sind nicht durch gut gemeinte Appelle an das Gewissen oder irgendwelche anderen Moralpredigten aufzuheben. Gerade auf Grund solcher Beispiele und nach vielen, mitunter sehr bitteren Lebenserfahrungen muss ich mich leider immer mehr der Auffassung Schopenhauers anschliessen, dass - von Ausnahmen abgesehen - der Charakter eines Menschen im wesentlichen nicht änderbar ist. Was hingegen verändert werden kann, ist das Verhalten eines Menschen, z. B. durch Androhung rechtlicher Sanktionen. Hierzu ist es, soweit mir bekannt ist, im Fall des Zoodirektors (noch?) nicht gekommen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die für den Berliner Zoo Verantwortlichen, dass ein solcher Mann Zoodirektor werden konnte und es immer noch bleiben darf.

    Übrigens, nach obigem Zeitungsbericht fiel mir ein, was Gustav Friedrich Wagner in seinem " Schopenhauer - Register" unter Hinweis auf Schopenhauers "Schriften zur Naturphilosophie und zur Ethik" geschrieben hat: "Zoolog, mancher ist nichts weiter als ein Affen-Registrator; man kann ein vollkommener Zoolog und doch ein unwissender Mensch sein." Ich glaube, viele Menschen, die mit einem Haustier eng zusammenleben, wissen über Tiere vielleicht weniger als studierte Zoologen, aber das, was sie wissen, ist wesentlicher, denn es betrifft das Wesen des Tieres als Lebewesen.
    hb

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Lebensphilosophie > hier

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

  • Jean Améry und Arthur Schopenhauer

    Beim Durchstöbern meiner Bibliothek stieß ich auf ein Buch, das mich vor über 30 Jahren  tief beeindruckt hatte und auch heute noch sehr berührt. Es ist ein 1976 unter dem Titel "Hand an sich legen" erschienener radikaler Essay über den Freitod. Sein Autor, Jean Améry , wusste worüber er schrieb, denn zwei Jahre später nahm er sich selbst das Leben - und das, nachdem er Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen überlebt hatte. Er wählte den Freitod nicht wegen mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung, denn er gehörte in den 60er und 70er Jahren zu den bedeutendsten europäischen Intellektuellen - nein, die Gründe dafür sind wohl Erkenntnisse, die er in seinem oben genannten  Diskurs über den Freitod zum Ausdruck brachte. Seine Schrift beginnt mit dem Leitwort:

    Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen.
    Wie auch beim Tod die Welt sich nicht ändert, sondern aufhört.

    Dieses Zitat ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, von Arthur Schopenhauer, sondern von Ludwig Wittgenstein. Jedoch am Ende des Buches, also dort,  wo es um letzte Gedanken und Erkenntnisse geht, bezieht sich Améry auf Schopenhauer und dessen zutiefst metaphysische Willenslehre. Es ist es daher für mich selbstverständlich, dass, wenn ich Améry lese, auch an Schopenhauer denke. Ich frage mich dann, wieviel Schopenhauersches war in Améry? Eine Antwort darauf gab Améry selbst, und zwar in  der "Basler Zeitung" vom 24.12.1977:

    "Hier ( in Arthur Schopenhauers  Aphorismen zur Lebensweisheit ) ist einer, der uns anspricht wie ein Freund in vertieften Abendstunden; kein Lehrer, der vom Katheder herab harte Systempanzer uns über die Köpfe stülpt. Weisheit, für einmal, anstatt vorgeblichen Wissens; stets fortschreitendes Erkennen, nicht dogmatisierende Erkenntnis. Menschlichkeit, wo sonst menschenfremder Begriffsstolz so schemenhaft wie roh uns überwältigt ...

    Er ( Arthur Schopenhauer ) war, wie Ludwig Marcuse es treffend gesagt hat, der rationalste Philosoph des Irrationalen : jenes Irrationalen, das er aufgestöbert hat in seinem Dunkel, das er anleuchtete mit dem grellen Scheinwerfer seiner Intelligenz und also ´rationalisierte `. Ohne Schopenhauer kein Bergson, kein Freud, kein Heidegger, auch kein Sartre ...

    Und schließlich ( Artur Schopenhauer ) der Schriftsteller. Wir werden seinesgleichen kaum noch schauen. Er dachte so weit, so tief, so ergreifend wie irgendeiner der ganz großen Philosophen vor ihm und nur wenige nach ihm; aber er schrieb eine Sprache von reinstem Kristall. Als einziger deutscher Moralist fand er den Ton eines Montaigne: schlicht und witzig, eindringlich und diskret, elegant und im besten Sinne   ´gentlemanlike `. Ihn zu lesen, bedarf  keiner fachlichen Vorbildung ...

    Spreche ich für ihn als einen Erzieher, dann denke ich nicht zuletzt an seine ( Schopenhauers ) Rolle als Lehrer all derer, die da schreiben. Sehe ich ihn als Aufklärer, so meine ich nicht den Systematiker, der er war, sondern den Schilderer menschlicher Befindlichkeit, den Ritter mit Tod und Teufel, den Mann der intellektuellen Tapferkeit und Aufrichtigkeit.

    Überflüssig zu sagen, daß man sich nicht mit Wollust an Schopenhauer verlieren darf, so wie andere, unendlich viel Zahlreichere sich an Hegel verloren. Die größte Ehre, die wir ihm erweisen können, ist die kritisch-wache Lektüre seines Werkes. Sind wir nur rechte Atheisten, dann lassen wir auch keinen Gott Schopenhauer gelten."
    (Aus: " Über Arthur Schopenhauer ". Hrsg. v. Gerd Haffmans. 3. Aufl., Diogenes: Zürich 1981, S. 165 ff.)
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der  Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Menschen und andere Tiere

    Zugegeben, der Titel mag etwas provozierend sein, aber er trifft genau das Problem, nämlich den Menschen, der in seinem Hochmut daran glaubt, er sei "die Krone der Schöpfung". Ich kam auf diesen Titel, als ich in der "Berliner Zeitung" vom 17. Juni 2010 eine Buchbesprechung las, und zwar  unter der Überschrift "Der Mensch ist auch nur ein Tier":

    Es ging dabei um ein Buch von John Gray, das in seiner deutschen Übersetzung den aufschlussreichen Titel trägt: "Von Menschen und anderen Tieren. Abschied vom Humanismus". Das Buch, so schrieb die Zeitung, sei ein "Frontalangriff  auf das humanistische Weltbild". Im heutigen Humanismus würde der "Kardinalirrtum" des Christentums, der Mensch würde anders als alle anderen Tiere sein, eine Wiederbelebung erfahren. So beruhe das Menschenbild des Humanismus auf einer Illusion. Ja, sogar der Mensch selbst "ist ein in Illusionen befangenesTier, das fortwährend versucht, dem Bild, das er von sich selbst hat, zu entfliehen". In Wirklichkeit bleibe der homo sapiens eigentlich das, was er immer war, "der räuberische und zerstörende Mensch, ein Ausbeuter der Natur und seiner eigenen Gattung".

    Zu Recht wird am Ende dieser Buchbespechung angemerkt, dass Grays Kritik des Abendlandes und des dort vorherrschenden Menschenbildes ganz so neu nicht sei, wobei auf Arthur Schopenhauer verwiesen wird. Für Schopenhauer, auf den sich Gray oft beruft, war "das Wesentliche und Hauptsächliche im Tier und im Menschen das Selbe". Was Mensch und Tier unterscheide,  liege "nicht im Primären, ... im innern Wesen, ... sondern allein im Sekundären, im Intellekt, im Grad der Erkenntniskraft". Zu Schopenhauers Zeit war eine solche Feststellung geradezu revolutionär, denn sie stand im schärfsten Gegensatz zum herrschenden Christentum und damit zu fast zwei Jahrtausenden abendländischer Geistesgeschichte. Religion und Wissenschaft hatten alles getan, um den Menschen aus der Natur herauszuheben und ihn in seinem Größenwahn zu bestärken, dass der Mensch Alles, das Tier aber kaum mehr als ein belebtes Nichts sei.

    In diesem Zusammenhang wandte sich Arthur Schopenhauer mit Empörung gegen "frömmelnde" Zoologen, die behaupteten, es gäbe einen absoluten und radikalen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Die Ursache für die auch in der Umgangssprache zum Ausdruck kommende Diskriminierung der Tiere sei, so Schopenhauer, "jener elende Kunstgriff", der "ohne Zweifel das Werk europäischer Pfaffenschaft (ist), die ... nicht glaubt weit genug gehen zu können im Verleugnen und Lästern des ewigen Wesens, welches in allen Tieren lebt." Hierdurch hätten sie (die christlichen Theologen)   "den Grund gelegt zu der in Europa üblichen Härte und Grausamkeit gegen Tiere".

    Wer diese Aussagen Schopenhauers für zu radikal hält, dem empfehle ich die kleine Schrift des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner "Für einen Bissen Fleisch. Das schwärzeste aller Verbrechen". Deschner beginnt  ganz im Sinne Schopenhauers mit der Feststellung: "Da die Krone der Schöpfung der Mensch, die Krone des Menschen der Pfaffe ist, lässt sich von ihm für das Tier am wenigsten erhoffen." Hat Deschner Recht? Andererseits möchte ich auch hier ungerechte Pauschalurteile vermeiden, denn es gibt in in dieser Hinsicht durchaus auch positive Beispiele. Ich denke dabei unter anderem an die Tierschützerin und ehemalige Pfarrerin Christa Blanke. Sie ist allerdings - wohl als Konsequenz ihrer Tierliebe -  inzwischen (2000) aus der Kirche ausgetreten.

    Übrigens, ich selbst bezeichne die Menschen nicht als "andere Tiere", sondern halte mich an Schopenhauers Ausspruch  Die Tiere sind die Brüder des Menschen . Hierdurch wird, wie mir scheint, die Nähe zu den Tieren auch gefühlsmäßig deutlich. Darauf kommt es mir an, denn Mitgefühl ist, wie Arthur Schopenhauer immer wieder hervorhob, die Grundlage der Ethik, also auch für den Tierschutz. 
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier

  • Schopenhauer : Alles nur Zufall ?

    Wer auf ein langes Leben voller Ereignisse zurückblicken kann, wundert sich zuweilen, wie oft sein Leben durch einen Zufall entscheidend bestimmt wurde, ja mitunter verlief das Leben dadurch in eine ganz andere Richtung. War das alles wirklich nur Zufall? Je älter ich werde und je mehr ich über manche schicksalhafte Begebenheiten in meinem Leben nachdenke, desto bedeutsamer werden für mich die Gedanken und Einsichten, die Arthur Schopenhauer unter der Überschrift "Über die anscheinende Absicht im Schicksale des Einzelnen" geäußert hatte. 

    Für die Frage, ob alles nur Zufall sei, müssen wir von unserem Lebenslauf ausgehen. Wenn wir dabei "manche Szenen unserer Vergangenheit genau durchdenken", dann, so meinte Schopenhauer, würde "uns alles wie in einem recht planmäßig angelegten Roman" erscheinen.  Hierbei  könnten manche Begebenheiten in unserem Leben, besonders wenn sie häufiger vorkamen, uns allmählich zu der Ansicht, ja zur Überzeugung führen, dass unser "Lebenslauf, so verworren er auch scheinen mag, ein in sich übereinstimmendes Ganzes sei" und dieses Ganze eine "bestimmte Tendenz" und einen "belehrenden Sinn" habe.

    Es geschieht oft sehr Sonderbares im Leben. Dann fällt es schwer, noch an bloßen Zufall zu glauben. Zum Beispiel hatte Wilhelm von Scholz in seinem Buch "Der Zufall und das Schicksal. Die geheimen Kräfte des Unwahrscheinlichen" eine Sammlung solcher merkwürdiger Vorkommnisse zusammengetragen: So kaufte ein Kunstfreund in München ein altes Vasenfragment. Jahre später schenkte ihm ein Freund ein in Athen gekauftes Vasenfragment. Wie sich dann herausstellte, passte die Scherbe aus Athen genau in die Bruchstelle des in München erworbenen Stückes. Scholz fragte sich nun, ob das Zufall sei oder eine "geheime Kraft" die beiden Bruchstücke, vielleicht nach Jahrtausenden, wieder zusammengeführt habe.

    Arthur Schopenhauer dachte wohl an ähnliche höchst verwunderliche Fälle, denn er schrieb dazu: "Vielleicht wird jeder, bei gehörigem Nachdenken, in seinem eigenen Lebenslaufe analoge Fälle finden können ... Gar mancher aber wird hiedurch zu der Annahme getrieben werden, dass eine geheime und unerklärliche Macht alle Wendungen und Windungen unseres Lebenslaufes, und zwar sehr oft gegen unsere einstweilige Absicht, ... leitet."  Dieser Gedanke kann, wie Schopenhauer meinte, sehr trostreich sein, denn zu unserer Beruhigung sei nichts wirksamer, "als das Betrachten des Geschehenen aus dem Gesichtspunkte der Notwendigkeit, aus welchem alle Zufälle sich als Werkzeuge eines waltenden Schicksals darstellen". 

    In diesem Zusammenhang verwies Schopenhauer auf eine Redensart, die wohl jeder von uns schon gebraucht hat, wenn die Dinge ganz anders als geplant gelaufen sind: "... dann sollte es eben nicht sein!" Vielleicht ist das nicht bloß eine Redensart, sondern Ausdruck einer instinktiv gespürten Wahrheit. Jedenfalls fand ich in meinem Leben oftmals bestätigt, was Schopenhauer durch ein Gleichnis beschrieben hatte:
    Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen.
    hb

    Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Lebensphilosophie > hier

     

  • Schopenhauer : Lebensweisheit in uns

    Als ich wieder einmal in Arthur Schopenhauers  " Aphorismen zur Lebensweisheit " las und dabei auf mein bisheriges Leben zurückschaute, stieß ich auf ein Schopenhauer - Zitat, das mich sehr nachdenklich stimmte:

    Übrigens gibt es in unserem Lebenslaufe noch etwas, welches über alles hinausliegt. Es ist nämlich eine triviale und nur zu häufig bestätigte Wahrheit, dass wir oft törrichter sind, als wir glauben: hingegen ist, dass wir oft weiser sind, als wir selbst vermeinen ... Es gibt etwas Weiseres in uns, als der Kopf ist. Wir handeln nämlich, bei den großen Zügen, den Hauptschritten unsers Lebenslaufes, nicht sowohl nach deutlicher Erkenntnis des Rechten, als nach einem innern Impuls, man möchte sagen Instinkt, der aus dem tiefsten Grunde unsers Wesens kommt ...

    Inzwischen hat auch die moderne Verhaltensforschung immer mehr Hinweise, dass Entscheidungen "aus dem Bauchgefühl" durchaus richtiger sein können als lang durchdachte Entschlüsse. So wurden dazu in "GEO Wissen" (Heft 45/2010) mehrere Artikel veröffentlicht. Einer hat die Überschrift  "Der sechste Sinn. Die Macht der Intuition ". Hiernach steuert uns das Unbewusste "wie ein Autopilot durch weite Teile des Lebens". Bewusstes Denken kann dabei jedoch die Kommunikation mit dem Unterbewusstsein stören, ja das Bewusstsein kann sogar "die emotionalen - oft weit genaueren - Signale aus dem Unbewussten" übertönen.

    Oft beruhen Ahnungen auf Hinweisen, die wir bewusst kaum wahrnehmen, aber für unser Leben von entscheidender Bedeutung sein können. So erklärte der Züricher Neurobiologe, Peter Brugger, dass die Fähigkeit des Unbewussten intuitiv zu handeln und blitzschnell zu urteilen, bereits unseren Vorfahren geholfen hätte. Schon damals wäre es manchmal besser gewesen, falsch zu liegen, als langsam und akkurat zu entscheiden:

    Wer den gut getarnten Tiger im Gras nicht erkennt, ist tot. Wer Tiger sieht, wo keine sind, läuft häufiger weg, aber bleibt am Leben.

    Auch bei diesem Thema zeigt sich erneut, wie aktuell Arthur Schopenhauer geblieben ist. Seine Philosophie ist eben nicht bloß Teil der Philosophiegeschichte für akademische Seminare, sondern sie ist eine Lebensphilosophie für hier und heute, ja für morgen und übermorgen.
    hb

    Überblick (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier

    Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Lebensphilosophie > hier

Bloggeramt.de Blogverzeichnis Blogs RSS Verzeichnis Philosophy Blogs - Blog Catalog Blog Directory Blog Top Liste - by TopBlogs.de Academics
Billigt Flyg London Technorati Profile

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.